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Von der besonderen Mentalität von Wissenschaftlern

Nach einem lustigen Gespräch zwischen einer Kollegin und mir bin ich mal wieder auf den Gedanken gekommen, wie sehr man in diesem Job ganz von alleine abzuheben beginnt.

 

Auslöser war die Unterhaltung über 'Beuteschemata' und eigentlich mussten wir uns beide eingestehen, dass man so als Physiker/Chemiker/Biologe/Ingenieur irgendwie normalerweise relativ inzestuös innerhalb dieser Gruppierungen ist. Bei vielen Freunden von mir, die andere Jobs machen, sind diese fächerinternen Beziehungen deutlich weniger ausgeprägt.

 

Ich frag mich, woran das liegt. Wird man mit der Zeit in diesem Geschäft so seltsam, dass nur jemand, der sich mit ähnlichem beschäftigt, das noch nachvollziehen kann?

Oder liegt es daran, dass man, anders als zum Beispiel Bekannte von mir, die eine Ausbildung gemacht haben, noch viel länger in dem künstlichen Biotop 'Uni/Ausbildung' rumdümpelt, so dass Dinge wie eine Familie zu gründen so unendlich weit weg erscheinen, weil man so lange noch in einer relativ prekären Lage lebt? So dass man dann, wenn man anfängt, in die Richtung zu denken, quasi nur noch Wissenschaftler kennt?

Vielleicht liegt es auch daran, dass die meisten Kollegen/Bekannten bei denen mir das aufgefallen ist, weiblich sind, und als Frau ist das gerade bei Physik ja auch immer so eine Sache - die Verhältnisse sprechen da eine klare Sprache. Auf der anderen Seite, die meisten meiner 'Datenpunkte' sind Chemiker und Biologen, und da sind die Frauen ja nicht so in der Unterzahl...

Komisch, komisch...

 

über was für Dinge man sich so Gedanken macht, wenn man sich vor der Arbeit drücken will...

 

Esybilla

 

1 Kommentar 2.4.08 15:32, kommentieren

The fine art of procrastination

Eigentlich macht mir die Arbeit ja hier wirklich eine Menge Spass, aber es gibt so Tage...

 

Irgendwie ist es momentan mal wieder extrem schwierig, sich auf irgendwas zu konzentrieren, und dabei habe ich hundert Sachen zu tun - und das kranke ist: auf die meisten davon habe ich auch wirklich Lust.

 

Trotzdem zieht es sich irgendwie und ich bewege mich mit der Geschwindigkeit einer durchschnittlichen Weinbergschnecke voran, meine Güte, das kann ja wohl wirklich nicht wahr sein.

 

Ich glaube es liegt daran, dass ich in letzter Zeit nicht so zum Schreiben gekommen bin, wie ich wollte. Das ist vielleicht das Allerkrankeste daran. Man sollte ja nicht meinen, dass einen das kindische in-den-Rechner-tippseln so beruhigt, aber ganz ehrlich, wenn ich eine Woche nicht geschrieben habe fühle ich mich irgendwie wie... zerfasert.

 

Als würden Teile meines Verstandes in unterschiedliche Richtungen gezogen, der kleinste Reiz löst einen Schwall von Worten, Gedanken, Geschichten aus, und den bringe ich nicht zum Schweigen, so sehr ich mich auch bemühe... hat schon fast ein bisschen was von Wahnsinn so insgesamt...

 

Ungünstig wenn man gerade versucht, ein superrationales, sachliches Paper zu schreiben *würg* oder sich auf schnöde Wissenschaft zu konzentrieren.

 

Manchmal macht mir das Sorgen. Hier an der Uni geht das ja alles noch irgendwie, wenn ich mal völlig verquer war den Tag über, arbeite ich halt den Abend, oder an einem anderen Tag länger, aber irgendwie sollte ich das schonmal lernen, zu kontrollieren, oder? Spätestens in der 'richtigen' Arbeitswelt, sollte ich die je mal betreten, ist diese freie Zeiteinteilung ja irgendwie nur selten noch drin...

 

 Naja, jeder hat mal ein schlechtes Jahr, oder wie war das? Vielleicht bin ich ja doch im falschen Job ;-)

 

Na wie dem auch sei, bloggen soll ja bei sowas auch schon ein bisschen helfen, und ich bilde mir einfach mal ein, ich wäre jetzt fokussierter und fange mal wieder an, was vernünftiges zu arbeiten.

 

Frisch auf ans Werk :-/

Esybilla 

 

 

4.4.08 11:17, kommentieren

Nachtrag

Was auch immer hier steht, ist nur marginal ernst zu nehmen, denn es fällt definitiv unter die Kategorie 'Dampf ablassen', Fluchen, motzen, meckern, wie auch immer, alles was 'mal raus muss' lade ich hier ab....

4.4.08 11:42, kommentieren

Der Planet V.

Manchmal fühle ich mich hier wirklich wie im Irrenhaus.

 

So wie gestern, als rauskam, dass an einem unserer Experimente der Wissenstransfer wo so 'prima' funktioniert hat, dass der eine oder andere Trick völlig aus dem kollektiven Wissen der Gruppe verschwunden ist. Ist ja eigentilch nicht mein Bier aber trotzdem... ARGH!

 

Genauso wie der Kollege, der sich Wochen damit rumgeschlagen hat, ein kleines, aber signifikantes experimentelles Problem zu lösen, und der gestern einen schönen Vortrag darüber hielt um uns verständlich zu machen, was das Problem ist - und  was man überhaupt tun kann um seine Messungen zu verbessen. Auftritt V. ein Kollege ganz besonderer Art. 'Böh, wofür braucht man das ganze denn, wir machen das an unserem Experiment auch ohne'.

Ah ja. Natürlich. Ist mir schon klar. Deshalb merkt auch wochenlang bei euch keiner, dass ihr Mehrfachpulse habt, und als ich fragte, wird mir nur gesagt 'das is manchmal, das fliegt im Fit raus'.

GRMPF.

Man kann ja ein bisschen hudeln, oder Sachen weglassen, weil man sie nicht braucht. Dann sollte man aber denen, die sie brauchen, ihre Ruhe lassen *motz* 

 Unnötig zu sagen, dass das das gleiche Experiment, wie das ist, wo der Wissenstransfer so 'super' funktioniert.

 

Krönung dann die Bewerbung einer potentiellen neuen MitarbeiterIN (einer Frau, jawoll). Ein Blick V.s auf die Bewerbung, dann, im Brustton der Verwunderung: "Das sind ja sehr gute Noten!"

 

Ach? Ja, V., es gibt auch Frauen in der Wissenschaft mit guten Zeugnissen...

 

Willkommen auf dem Planenten V.

 

Esybilla 

4.4.08 11:42, kommentieren

Winterwonderland

Sleigh bells ring... are you listening...

 

oh mann, habt ihr mal nach draussen geschaut? Nicht, dass ich kein Freund von Schnee bin, aber jetzt um die Zeit habe ich es doch nicht mehr wirklich erwartet. Naja, Aprilwetter, was will man machen. Ich erinnere mich dran, dass irgendwann vor gefühlten 100 Jahren (ich war noch im Kindergarten) mal Schnee am Geburtstag meiner Schwester gefallen ist, und das ist der 19.4.

 

Von daher, wohl alles im grünen Bereich. Es ist hier oben kalt genug, dass es tatsächlich so was gibt, das tut, als wäre es eine geschlossene Schneedecke - brilliant :-)

 

Ich sehe eine Arbeitsgruppenschneeballschlacht auf mich zukommen oder so... naja vielleicth auch nicht. MIr tun die armen Schweine leid, die schon auf Sommerreifen gewechselt haben, da lohnt sichs, mal faul zu sein.

 

Eigentlich hätte man es sich die Nacht schon denken können - ich war gestern auf der Luminale, ganz nett, wenn auch irgendwie unspektakulär, wie ich fand - und es war saukalt. Im dicken Wintermantel hab ich gefroren wie ein Schneider.

 

Nun ja, genießen wir das Wetter, auch wenn es zur falschen Zeit kommt

 

Esybilla mit der roten Mütze 

7.4.08 11:27, kommentieren

Angst vor meiner eigenen Courage

Oh mein Gott

Oh mein Gott

 

normalerweise lasse ich mich ja nicht so leicht ins Bockshorn jagen, aber gerade ist mir doch etwas... äh... anders geworden.

 

 Vor ein paar Monaten habe ich mich für eine Konferenz in Lyon beworben, und, dreist wie ich war, mal gleich gesagt, ich könnte auch einen Vortrag halten.

 

Was ich bekam war eine keynote lecture, also ein langer, zentraler Talk den normalerweise Professoren oder mal mindestens Experten auf dem Gebiet kriegen.

 

Na super. Dann bin ich wohl Experte in... was auch immer - nun ja, aus der Nummer komme ich jetzt wohl nicht mehr heraus.

Ich gebe ja zu, ich freue mich wirklich (auch wenn ich vermute, dass das dadurch zustande kommt, dass wenig Biophysiker da sind und ich darüber da rein komme), aber trotzdem... HIIIIIILFE. Man kann da ja auch eine Menge Mist bauen, so insgesamt.

 

Nun ja. Ich fürcht und freu mich. Aber wahrscheinlcih ist das wieder so eine Sache, wo man einfach mal ins kalte Wasser springen muss. Sollte ich wirklich vor haben in der Forschung zu bleiben ist das eine brilliante Chance, wenn es mir gelingt, sie vernünftig zu nutzen. Und auch sonst macht sich ne Invited Lecture immer gut im Lebenslauf.

 

Trotzdem... AAAAAAAAH

 

 

 Esybilla

7.4.08 14:08, kommentieren

Man soll ja eigentlich nicht schadenfroh sein...

... weil es nicht nett ist und überhaupt. Aber manchmal muss es doch sein.

 

Da hatten wir doch heute Gruppensitzung, und ein mir nicht besonders lieber Kollege hat sich sehr bös in die Nesseln gesetzt.

 

Nun ja, er ist nicht gerade für die Sorgfalt seiner Arbeit bekannt - un selsbt ich, die ich ja nun auch sicherlich kein Fanatiker was Korrektheit angeht, habe da bei manchen Dingen wirklcih Zweifel. Nun hat er leider über ein Problem, das ich hatte, und das ich mit dem Chef auch schon viel besprochen hatte, rübergebügelt, ich solle mcih nicth so anstellen, das ginge doch ganz einfach so zu machen, aber so geht es eben NICHT, und das wußte leider jeder im Raum. (Er sollte es auch wissen, als Physiker, verflixt noch eins!)

 

Aber auf sowas achtet man ja wenn überhaupt bei anderen. Auf jeden Fall kam er da bemerkenswert ins Schleudern, und mich hat es zugegeben ganz tief im Inneren ein bisschen gefreut, zumindest das kleine Teufelchen, das bisweilen auf meiner Schulter sitzt.

 

Nun ja, was solls. Sowas soll ja menschlich sein :-)

 

Irren auch, übrigens, aber manchmal glaube ich, hier wird man erst irre...

 Wie auch immer, das nächste Mal, wenn ich rund gemacht werde, dass bei mir etwas nicht läuft, von besagtem Menschen, habe ich auf jeden Fall so viel Munition in der Hand, dass er sich das hoffentlich dreimal überlegt. Auch nicth das dümmste, wenn man es mal so betrachtet :-)

 

grinsend

 

Esybilla 

10.4.08 15:47, kommentieren